Raum der Stille

Von   15. Januar 2020

Die Schwäbische Zeitung hat am 27.12. 2019 ausführlich über unseren „Raum der Stille“ berichtet:

Jule, Giuliana, Paulin, Greta und Emily im Raum der Stille im Caspar-Mohr-Progymnasium. (Foto: Simon Schwörer)Jule, Giuliana, Paulin, Greta und Emily im Raum der Stille im Caspar-Mohr-Progymnasium. (Foto: Simon Schwörer)

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Emily Janine John ist 13 Jahre alt. Sie findet: „Stille tut auch mal gut.“ Darum nutzt die Schülerin immer wieder den sogenannten Raum der Stille. Vor knapp einem Jahr hat das Caspar-Mohr-Progymnasium in Bad Schussenried diesen Ort eingerichtet.

Dort sollen Schüler wie Emily zur Ruhe kommen können. Mit ihrer Klassenkameradin Greta Marie Sontheimer (12) geht die Siebtklässlerin dort einmal die Woche in der Mittagspause zur Yogastunde. Dank dieses Ausgleichs könnten sie sich im Nachmittagsunterricht besser konzentrieren, sagen die beiden Schülerinnen.

Die kreative Langeweile gibt es heute nicht mehr.

Schulleiterin Susanne Wehling

Eingeweiht im vergangenen März, nutzen seither verschiedene Klassenstufen den Raum in Fächern wie Religion, Deutsch oder Gemeinschaftskunde. Außerhalb des Unterrichts bietet Lehrerin Clarissa Martin Yogastunden an, Religionslehrerin Dorothee Beckmann-Hueber Meditationsübungen.

Stille wird positiv bewertet

Aber, warum ist so ein Raum überhaupt nötig? „Durch G8 ist der Unterricht so durchgetaktet, da bleibt kaum Luft. Aber die Schüler sind ja keine Maschinen“, sagt Beckmann-Hueber.

Die Schüler hätten auch ein Bedürfnis nach Freiraum. Schulleiterin Susanne Wehling ergänzt: „Die kreative Langeweile gibt es heute nicht mehr.“ Die Schüler müssten wieder lernen, die Stille – ohne Lärm und Smartphone – als etwas Positives zu sehen. „Da ist uns gesellschaftlich viel verloren gegangen“, glaubt sie.

In Religion gehen wir da rein zum Entspannen. Manchmal ist es schon ein bisschen langweilig.

Guiliana Strobl

Bei den Schülern brauche der Raum immer eine lange Anlaufzeit, sagt Beckmann-Hueber. Der Grund: „Die Schüler sind der Stille entwöhnt.“ Ein Schüler habe ihr sogar gesagt, dass er den Raum nicht nutzen wolle, weil er ihm zu ruhig sei. In ihren Religionsunterricht baut Beckmann-Hueber den Raum ein. Etwa mit Sechstklässlern wie Guiliana Strobl.

Sie ist elf Jahre alt und sagt: „In Religion gehen wir da rein zum Entspannen. Manchmal ist es schon ein bisschen langweilig.“ Ihre Klassenkameradin Jule Hausten (12) erzählt: „Da hört man Musik und wird ruhig.“ Auch die Atemübungen, die die Schüler unter Anleitung der Lehrerin machen, gefallen Jule. „Danach kann man besser nachdenken“, sagt sie.

Ich finde den Raum gut, weil man sich darin entspannen und zu sich kommen kann.

Paulin Hauser-Herle

Paulin Hauser-Herle (12) sagt: „Ich finde den Raum gut, weil man sich darin entspannen und zu sich kommen kann.“ Clarissa Martin nutzt mit ihren Schülern den Raum auch mal im Französischunterricht, Wehling etwa in Deutsch. Der Raum setze damit einen Kontrast zum normalen Unterricht an der Schule. „Hier ist auch ein Raum, in dem Gedichte einfach wirken können, ohne dass es direkt einen Arbeitsauftrag dazu gibt“, sagt Wehling.

Schüler könnten sich stattdessen Gedanken darüber machen, was das Gedicht in ihnen auslöse. „Das hat eine viel größere Anwendbarkeit auf die Lebenssituation der Schüler, als der normale Unterricht“, findet die Rektorin.

Clarissa Martin erklärt, es seien zwar wenige Schüler, die ihr Yogakurs anspreche. „Aber die sind dafür sehr aktiv dabei.“ Die Schüler sollten den Raum nutzen, sobald sie selbst dazu das Bedürfnis hätten, ergänzt Beckmann-Hueber.

Das soll keine Tratschrunde sein.

Clarissa Martin

Momentan sei der Raum außerhalb des Unterrichts Freitagfrüh bis -mittag geöffnet. Nutzen dürfen ihn die Schüler nur unter Betreuung eines Lehrers. Clarissa Martin sagt: „Es soll auch ein bisschen angeleitet sein, sonst verquatschen die sich.“ Denn wie der Name schon sagt, solle der Raum der Stille auch als solcher genutzt werden. „Das soll keine Tratschrunde sein“, sagt sie.

Für die Schüler sei es auch eine zu überwindende Hemmschwelle, sich für den Raum von ihren Freunden zu lösen, sagt Beckmann-Hueber. Denn oft seien nur ein bis zwei Schüler auf einmal im Raum, manchmal auch fünf bis sechs. „Sie müssen sich sagen: Ich will das bewusst machen.“

Die Schüler bräuchten dabei auch Zeit, um sich klar zu machen: Das tut mir gut, sagt sie. Wichtig ist ihr: „Wir wollen nur Anregungen geben, keine Belehrungen.“ Jeder Schüler solle in seinem Kopf frei sein, sagt sie. Es gebe nur zwei Grundregeln: Schuhe aus und still sein.

Hier der Link zum Artikel von Simon Schwörer:

https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-biberach/bad-schussenried_artikel,-hier-finden-kinder-zuflucht-vor-dem-stressigen-schulalltag-_arid,11163266.html