Caspar-Mohr-Progymnasium auf den Spuren unserer Vorfahren

Von   17. Juni 2016
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Klasse 5 des CMPG vor der Landesausstellung „Pfahlbauten 2016“ im Kloster Bad Schussenried

Wenn ein Kultur-Highlight wie die große Landesausstellung Baden-Württemberg „4.000 Jahre Pfahlbauten“ so direkt vor der Haustüre liegt, dann muss es Kindern und Jugendlichen auch zugänglich gemacht werden, findet die Schulleiterin des Caspar-Mohr-Progymnasiums, Susanne Wehling. Deshalb initiierte sie für alle Klassen des CMPG in diesem Schuljahr einen Besuch in der Ausstellung im Kloster Bad Schussenried, die sich mit unseren Vorfahren in der Jungsteinzeit befasst. Als erste Gruppe ließen sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 mit ihrer Lehrerin Anna Göttel am Mittwoch, dem 15. Juni 2016, durch die Klosterräume führen, am heutigen Freitag, dem 17. Juni, folgte Klasse 7. In der nächsten Woche werden die Klasse 6 am Mittwoch und die Klasse 10 am Donnerstag die Ausstelung ebenfalls sehen. Die Klassen 8 und 9 folgen in den nächsten Wochen (07. und 14.7.).

Wer so nah am UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ aufwächst, wie die Schussenrieder Gymnasiasten, an dem geht die Steinzeit in der Regel nicht spurlos vorbei. Bereits in der Grundschule lernen die Kinder üblicherweise, wie aus Jägern und Sammlern der Altsteinzeit im Laufe der Jahrtausende den Ackerbauern und Viehzüchter der Jungsteinzeit werden und auch wenn die Vor- und Frühgeschichte im neuen Bildungsplan Geschichte kaum mehr offiziellen Platz mehr hat, so bleibt sie nicht zuletzt aufgrund der Bedeutung der örtlichen Grabungsstellen (z.B. in Olzreute), auf jeden Fall Teil des Schulcurriculums am CMPG.

Mit ihrem Besuch im Museum bekamen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 nun Gelegenheit, ihr bereits erworbenes Wissen aufzufrischen und zu vertiefen. Gleichzeitig gewannen sie einen ersten Einblick in den gymnasialen Geschichtsunterricht im nächsten Schuljahr, auf den sich viele schon freuen.

Damit sich die Schüler einen Überblick über verschiedene Pfahlbausiedlungen machen konnten, wurden diese im Multimediaraum der Ausstellung virtuell buchstäblich vor ihnen aufgebaut, im Anschluss daran konnten sie verschiedene Häusertypen im Modell ausgiebig betrachten und spannenden Funde sehen, wie das älteste Rad, das hier in der Gegend gefunden wurde, oder zahlreiche Geräte des Alltagsgebrauchs von Waffen über Werkzeug bis hin zu Spielsachen für Kinder.

Dass sich die Schülerinnen und Schüler sehr für die Exponate interessierten, merkte man schnell an den vielen Fragen, mit denen sie die kundige Museumsführerin löcherten. Dabei interessierten sie sich sowohl fürs große Ganze („Wie lange dauerte es, eine solche Siedlung aufzubauen?“), als auch für winzige Details („Was stellt der schwarze Fleck im Modell dar?“ – es war eine Feuerstelle).

Neben vielem Wissenswerten, das die Schüler nicht nur erfragten, sondern auch bereitwillig zum Besten gaben, stand im Kontext der Ausstellung auch die Frage, woher dieses Wissen über die Steinzeit stammt. Schnell war den Kindern klar, warum zum Beispiel keine Namen überliefert sind und nichts über einzelne berühmte Personen der Steinzeit bekannt ist: „Schrift gab es noch nicht und das mit den mündlichen Quellen ist wie „Stille Post“, irgendjemand sagt etwas, und am Ende kommt nichts mehr an!“, stellte eine Schülerin fest und fand damit einen passenden Vergleich. Umso wertvoller sind für die Historiker und Archäologen die Funde aus der Zeit, anhand derer sie das Leben unserer Vorfahren rekonstruieren können.

Diese Forschungsarbeit durften die jungen Lerner hautnah nachvollziehen im „Forscherlabor“. Dazu wurden ihnen mehrere Originalfunde aus der Steinzeit zur Verfügung gestellt und sie lernten z.B., dass diese mithilfe einer Fundnummer ihrem Ausgrabungsort zugewiesen werden können. Schritt für Schritt vollzogen sie die zum Teil langwierigen, aufwändigen Prozesse nach, die auf die spannenden Ausgrabungen folgen. Zunächst musste die Scheu vor den Exponaten überwunden werden („Sind die Knochen echt?“), danach ging es handwerklich zur Sache: Genaues Vermessen, Zeichnen und Vergleichen war gefragt, denn Oberschenkelknochen ist nicht gleich Oberschenkelknochen und auch die Steinwerkzeuge und Keramiken unterschieden sich in vieler Hinsicht. Spannend war auch die Forschung im Bereich der Archäobotanik, also der historischen Pflanzenkunde. Hier trafen die Schüler auf Altbekanntes wie Haselnüsse, neues, wie beispielsweise Wassernüsse, und in den letzten Jahren auch von der Lebensmittelbranche Wiederentdecktes wie zum Beispiel Emmer. Am Ende des Vormittages war den Schülern klar, dass Archäologie mehr ist als „India Jones“ und historische Forschung oft mühevoll sein kann, aber eben auch unglaublich spannend.

Die Kosten für Eintritt, Führung und Teilnahme am „Forscherlabor“ übernimmt für alle Kinder des Progymnasiums freundlicherweise der Verein der Freunde und Ehemaligen des CMPG. Vielen herzlichen Dank dafür.