Interview mit Christian Weichhard zum „Brückenkurs Informatik“

Von   7. Februar 2022

Wie sind Sie darauf gekommen, einen Brückenkurs Informatik anzubieten?

Einerseits macht mir selbst Informatik einfach Spaß, weil es manchmal knifflig und heutzutage auch in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen vorkommt . Gerade deshalb finde ich, dass Informatik in der Schule eine viel zu geringe Rolle spielt.

Andererseits stellt der Brückenkurs einen Einstieg in die Informatik dar und gibt den teilnehmenden Schülern die Möglichkeit, Informatik als Fach in der Oberstufe zu wählen und Informatik dadurch als Prüfungsfach im Abitur wählen zu können.

Wie läuft ein solcher Brückenkurs ab?

Zuerst einmal bedeutet es, dass die Schüler zwei Zusatzstunden pro Woche Unterricht haben, dafür sind erfahrungsgemäß nicht viele Schüler zu begeistern. Deshalb brauchte ich eine Lösung, die für mich und die Schüler praktikabel und angenehmen ist. Durch Corona und den damit zusammenhängenden Distanzunterricht kam mir die Idee, den Brückenkurs online zu machen. Durch dieses Online-Format lag nahe, auch die anderen Progymnasien im Umkreis zu fragen, ob Interesse besteht.

So wurden es insgesamt 13 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9 und 10 vom Progymnasium Bad Buchau und dem Progymnasium Altshausen sowie vom Caspar-Mohr-Progymnasium Bad Schussenried, die regelmäßig teilnahmen. Wir haben uns jeden Dienstag von 19:00 bis 20:30 zur Videokonferenz getroffen. Es wurde erklärt, besprochen, gefragt, geübt, programmiert oder auch mit einem Simulationsprogramm für Netzwerke gearbeitet. Auf der Lernplattform Moodle lag das gesamte Material und auch die übrige Kommunikation lief darüber ab.

Das 1. Halbjahr wurde dann mit einer Klausur – natürlich auch online – abgeschlossen. Standesgemäß hat die Korrektur die Lernplattform übernommen. Ein zusätzliches Plus dieser Online-Variante war, dass es mitten in der Omikron-Welle kein Problem mit Schülern in Quarantäne gegeben hat. Somit konnten alle aus der Situation nur gewinnen

Was sagen die Schüler dazu, jeden Dienstagabend in die virtuelle Schule zu gehen?

Natürlich fiel es ihnen schwer „sich nochmal aufzuraffen“, aber laut ihrer Aussage „ging es dann“. Einerseits sind manche Schüler die klassischen ‚Eulen‘ und arbeiten ohnehin lieber abends, andererseits haben es sich viele Schüler vor ihrem PC oder Laptop richtig gemütlich gemacht: Sie meinten, sie hätten sich das Abendessen oder eine Spezi neben hin gestellt. Ein großes Plus für die Schüler war es auch einfach in der Jogginghose auf dem bequemen Bürostuhl zu sitzen. Das wäre in der Schule nicht möglich und die Schüler hat das gefreut.

Ziehen Sie nach dem ersten Halbjahr also ein positives Fazit?

Insgesamt: ja. In der aktuellen Situation wäre es gar nicht anders möglich gewesen. Der Brückenkurs ist auch für alle, die gerade hier im ländlichen Raum ‚weit draußen wohnen‘, eine gute Chance, sich weiter zu qualifizieren. Außerdem verbringen einige Schüler ihre Abende sowieso vor dem PC. Wieso sollten sie also nicht was Sinnvolles dabei lernen?

Geht der Brückenkurs in Informatik nächstes Halbjahr weiter oder endet er mit dieser Klausur?

Für die Zehntklässler geht es im zweiten Halbjahr weiter. Die Neuntklässler sind dann im nächsten Schuljahr mit Teil 2 dran.

Ich werde gegen Ende des Schuljahres um neue Interessenten werben und hoffen, dass wieder genügend Teilnehmer zusammenkommen. Dann habe ich selbst mehr Erfahrung und kann manche Schwierigkeiten, die beim ersten Durchgang auftraten, umgehen. Davon können dann alle profitieren.

Vielen Dank an Herr Weichhard für seine ausführlichen und informativen Antworten!