„Schule trifft Rathaus“ am Progymnasium

Von   18. Februar 2020

„Bodenständig, realistisch und sehr vernünftig“, so beurteilte das Team der Landeszentrale für politische Bildung die Ideen der Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 des Caspar-Mohr-Progymnasiums. Die Jugendlichen schätzen an Bad Schussenried die überschaubare Größe und die Verbundenheit in ihrer Heimatgemeinde. Im Workshop „Schule trifft Rathaus“ ging es nun darum, Gestaltungsmöglichkeiten und Perspektiven zu entwerfen, um Bad Schussenried noch attraktiver zu machen. Diese Ideen wurden anschließend mit dem Bürgermeister besprochen und überprüft.

Was wünschen sich nun die Jugendlichen?

Mehr und vielfältigere Einkaufsmöglichkeiten jenseits des Lebensmittelbereichs, mehr Grün in der Stadt, Freizeitbereiche/Jugendhaus und – am wichtigsten – die Sanierung von Schule und Sporthalle.

Im Gespräch wies Bürgermeister Achim Deinet auf die Errungenschaften der vergangenen Jahre hin:

Stichwort „Einkaufsmöglichkeiten“ – das Metzgergässle-Areal. Die Mieter sind schon gesichert, allerdings noch nicht veröffentlicht (das steht in der Verantwortung des Betreibers, nicht der Gemeinde.).

Viel Grün – der Bürgermeister verwies auf den Kurpark und die Umgebung der Stadt.

Die Freizeitmöglichkeiten – Deinet hielt ein reges Vereinsleben, Outdoorangebote wie den Zellersee und den Mountainbike-Parcours dagegen und nicht zuletzt das Jugendhaus, das mittlerweile im alten Kloster angesiedelt ist und mit mehreren Räumen auch für verschiedene Gruppen geeignet ist. An diesem Punkt des Gesprächs wurde vielleicht am deutlichsten spürbar, wie die Vorstellungen unterschiedlicher Generationen auseinanderklaffen können: Der Bürgermeister, der auf die Erziehungsverpflichtung der Eltern und die Selbstverantwortung der Jugendlichen hinwies, das heißt für ihn: Eltern, die selbstverständlich ihre Kinder in die zahlreichen bestehenden Vereine und Musikschule schicken und Kinder, die sich in einem überschaubaren Ort ebenso selbstverständlich selbständig organisieren. Verhältnisse, die reife Erwachsene der Geburtsjahrgänge aus den 1960er und 1970er Jahren aus ihrer eigenen Jugendzeit kennen. Jugendliche heute hingegen wünschen sich Alternativen zu Handy und Spielkonsole sowie freie Gestaltungsräume und Treffpunkte außerhalb des Elternhauses und auch zum Teil außerhalb vorgegebener Strukturen.

Hauptanliegen der Schülerinnen und Schüler jedoch war die Sanierung der Schule und der Sporthalle. Dabei wollen die Jugendlichen mit beteiligt werden und sich in die Planung einbringen. Am Beispiel der Sporthalle zeigte Bürgermeister Deinet den Schülern eindrücklich auf, dass Demokratie auch manchmal einen langwierigen Entscheidungsprozess mit der Berücksichtigung vieler widersprüchlicher Interessen mit sich bringt. „Bringt euch ein, macht deutlich, wo euch der Schuh drückt“, war immer wieder der Appell, den der Bürgermeister den Jugendlichen ans Herz legte. „Hört uns an, erkennt die Lebenssituation und Bedürfnisse heutiger Jugendlicher“, war der Appell der anderen Seite.

Das „Sich gegenseitig Anhören“ ist vielleicht das zentrale Fazit der Begegnung, zu dem die Veranstaltung einen Beitrag leisten konnte, der hoffentlich nur ein erster Schritt ist.

 

Und hier der Artikel aus der Schwäbischen Zeitung von Angela Körner-Armbruster:

Darüber diskutieren Bad Schussenrieder Schüler mit ihrem Bürgermeister

Die Schüler kommen mit Bürgermeister Achim Deinet (links) ins Gespräch. (Foto: Angela Körner-Armbruster)

Experten konstatieren in Deutschland eine stetig wachsende Politikmüdigkeit. Im Bad Schussenrieder Caspar-Mohr-Progymnasium ist davon nichts zu spüren gewesen. Beim Aktionstag zur Festigung von Grundlagen der Kommunalpolitik und Jugendbeteiligung zeigten die beteiligten Achtklässler großes Interesse. „Schule trifft Rathaus“ ist der Kurztitel des Seminars, das ehrenamtliche Mitarbeiter des Fachbereichs Politische Tage der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) des Regierungspräsidiums veranstalten.

„Wir arbeiten bereits das dritte Mal mit der Landeszentrale zusammen und wir sind sehr zufrieden“, erklärt Schulleiterin Susanne Wehling. Sie lobt die Aktion, die auf den Kenntnissen des letztjährigen Unterrichts in Gemeinschaftskunde aufbaue. „In der achten Klasse wollen wir die Schüler an die politischen Themen heranführen. Die Schüler haben eine enge Bindung zur Heimatgemeinde, denken viel mit und finden Politik vor Ort spannend. Viele sind auch im Jugendhaus aktiv“, sagt Wehling.

Was eine Gemeinde tun kann und muss, wie ein Bürgermeister gewählt wird und wie politische Ebenen verzahnt sind. Das sind unter anderem Themen des frühen Vormittags. Danach machen sich die Schüler Gedanken, was ihre persönliche Traumstadt bieten müsste. Die daraus resultierenden Ideen dürfen die Schüler am Ende des Tages mit Bürgermeister Achim Deinet diskutieren.

Unter dem Motto „Schussenried – Top oder Flop?“ können die Schüler dann abstimmen. Bereits diese Beantwortung zeigt die Vielfalt der Meinungen. Während die einen bemängeln, es gebe zu viele Geschäfte in Schussenried, wünscht sich eine andere Gruppe noch viel mehr Geschäfte. Einigkeit besteht bei den Schülern aber bei der ungünstigen Lage des Bahnhofs.

Was aber gehört zur Traumstadt? Witzige, kreative, utopische oder anspruchsvolle Wünsche sind bei der Veranstaltung eindeutig in der Minderheit. Mit großer Ernsthaftigkeit bringen die Schüler realisierbare und realistische Vorschläge an. Nur ein Schüler hat fulminante Visionen und notiert etwa eine Magnetschwebebahn, ständigen Sonnenschein und stets gut gelaunte Menschen. Ansonsten konzentriert sich alles auf ein großes Einkaufszentrum, mehr Parkanlagen, Angebote für Kinder und Jugendliche und ein Frei- oder Hallenbad. Die höchste Priorität aber hat für viele Schüler die Sanierung von Schule und Sporthalle. Die Achtklässler zeigen sich im Gespräch mit dem Rathauschef selbstbewusst, angstfrei und konzentriert.

Bei Sanierungsfragen kann Bürgermeister Achim Deinet Positives berichten. Wegen der gewünschten Freizeitangebote verweist er auf das neue Jugendhaus im alten Kloster. In klaren, sachlichen Worten erklärt Deinet, weshalb es in der Gemeinde niemals das erhoffte Einkaufszentrum geben werde. Er fächert zudem den langen Weg zwischen einer Idee und ihrer Durchführung auf und berichtet von Fördermitteln, Haushaltsanträgen und den Prozessen einer demokratischen Politikstruktur.

„Ich freue mich, dass ihr euch aktiv einschaltet in der Stadt, und hoffe, dass Schussenried längerfristig euer Zuhause ist“, sagt Deinet. Er ermuntert die Schüler zur Mitarbeit in einem politischen Gremium. „Ihr seid die Stadt, ihr müsst euch einbringen. Wir haben hier alles, was wir zum Leben brauchen, und ein schönes Umfeld, kulturelle Angebote und viele Arbeitsplätze.“

Allen solle es gut gehen, alle sollen Entscheidungen mittragen können. Deinet sagt: „Man muss nur Mut haben für den Gemeinderat. Wer macht mit, wer traut sich, etwas zu bewegen?“