Schule trifft Rathaus in Bad Schussenried

Von   21. November 2025

Auch in diesem Jahr nutzten die Klassen 8 bis 10 des Caspar-Mohr-Progymnasiums wieder die Gelegenheit, im Rahmen von Schule trifft Rathaus direkt mit Bürgermeister Achim Deinet ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung wurde – wie bereits in früheren Jahren – vom Team der Landeszentrale für politische Bildung organisiert und moderiert, das den Jugendlichen einen strukturierten, gut vorbereiteten Rahmen für das Gespräch bot.

Nachdem im September bereits die Jugendkonferenz des Landkreises am Progymnasium stattgefunden hatte, waren viele Schülerinnen und Schüler bereits erstaunlich sattelfest in kommunalpolitischen Themen. Entsprechend klar formulierten sie ihre Vorstellungen, was für sie ein lebenswertes und attraktives Bad Schussenried ausmacht.

Attraktive Innenstadt, Lernräume und Chancengleichheit

Eine lebendige Innenstadt bedeutet für die Jugendlichen vor allem Aufenthaltsqualität: ansprechend gestaltete Plätze, Grünflächen, sichere Wege und ein vielseitiges Angebot in Handel und Gastronomie. Besonders nachdrücklich formulierten sie jedoch ihren Wunsch nach einer Bücherei, die weit mehr sein soll als ein Ort zum Ausleihen von Medien.

Die Schülerinnen und Schüler beschrieben eindrücklich, wie wichtig für sie Ruhe, konzentriertes Arbeiten und Zugang zu Büchern sind – gerade weil viele zu Hause keine ausreichenden Rückzugsmöglichkeiten haben. Eine Bücherei wäre für sie ein geschützter, nichtkommerzieller Raum, in dem man ungestört lesen, lernen, recherchieren und arbeiten kann.

Dabei ging es den Jugendlichen ausdrücklich nicht nur um digitale Angebote, sondern um klassische Bücher, um das Blättern, Stöbern und Entdecken. Sie wünschen sich einen Ort, an dem Wissen physisch zugänglich ist und an dem man gleichzeitig die nötige Ruhe findet, um sich intensiv mit Themen auseinanderzusetzen.

Aus ihrer Sicht wäre eine solche Bücherei nicht nur ein kultureller Gewinn für Bad Schussenried, sondern auch ein wichtiger Beitrag zu mehr Chancengleichheit: Ein ruhiger, offen zugänglicher Lernort, der niemanden etwas kostet und allen gleiche Möglichkeiten bietet. Bürgermeister Achim Deinet regte an, hierzu das Gespräch mit der Jugendsozialarbeit zu suchen. Denkbar sei beispielsweise, erste ruhige Lernangebote in den Jugendtreff zu integrieren.

Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Einflussnahme

Beim Thema Handel und Gastronomie erläuterte Deinet sehr offen, welche Handlungsspielräume eine Gemeinde tatsächlich hat: Räume bereitstellen, Flächen entwickeln, das Stadtbild pflegen – ja. Ob sich Unternehmen ansiedeln, sei jedoch letztlich deren Entscheidung. Das Gespräch machte deutlich, dass die Stadt aktuell einen Schwerpunkt auf die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung legt: medizinische Versorgung, fußläufig erreichbare Einkaufsmöglichkeiten und stabile Grundstrukturen.

Wünsche wie ein Skatepark oder eine feste Eislauffläche waren für viele Jugendliche dennoch wichtig, auch wenn sie im Vergleich zu grundlegender Infrastruktur nachrangig diskutiert wurden. Der Bürgermeister zeigte sich offen: Bei der geplanten Offenlegung der Schussen prüfe man, ob eine Teilfläche im Winter als Eislauffläche genutzt werden könnte. Dies entspräche übrigens auch den Wünschen vieler älterer Bürger, die sich eine Möglichkeit zum Eisstockschießen zurückwünschen.

Öffentlicher Nahverkehr: Dauerthema der Jugend

Ein Punkt, der bereits bei der Jugendkonferenz deutlich geworden war, blieb auch hier zentral: Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr. Wer noch nicht Auto fahren darf, ist auf Busse und Bahn angewiesen – und deren Taktung und Erreichbarkeit entsprechen oft nicht dem Bedarf der Jugendlichen. Deinet verdeutlichte jedoch, ähnlich wie Vertreter aus Land- und Kreistag zuvor, die finanziellen und personellen Grenzen der Kommunen in diesem Bereich.

Wertvolle Erfahrung des direkten Austauschs

Auch wenn nicht jede Antwort den Erwartungen der Jugendlichen entsprach, war das Gespräch für sie eine wichtige Erfahrung: direkt, offen und ernst genommen mit dem Bürgermeister sprechen zu können, die eigenen Anliegen zu formulieren und kommunale Abläufe besser zu verstehen. Veranstaltungen wie diese zeigen einmal mehr, wie lebendig politische Bildung am Caspar-Mohr-Progymnasium gelebt wird – und wie sehr Jugendliche bereit sind, ihre Stadt aktiv mitzugestalten.