„SOS-Kinderdorf“ zu Besuch im Progymnasium

Von   13. November 2018

Liebe und Geborgenheit – das verbinden zum Glück die meisten Kinder und Jugendlichen mit „Familie“. Was aber, wenn es nicht so ist? Dazu kamen vergangenen Donnerstag mit Anna Ziller und Sophia Wild zwei Referentinnen des „SOS Kinderdorfs“  in die Klassen 8 und 10 des Caspar-Mohr-Progymnasiums.

Wann ist eigentlich das Kindeswohl gefährdet? Körperliche und seelische Gewalt, Vernachlässigung, darauf kamen die Schülerinnen und Schüler schnell selbst. Eindrucksvoll waren für die Schüler die Fallbeispiele, von denen die Referentinnen aus ihrer Praxis berichten konnten. Wie können Außenstehende erkennen, dass es einem Kind nicht gut geht? Auffällige Verhaltensänderungen, keine Bereitschaft mehr, Freunde zu sich nach Hause einzuladen, Hunger … das können auch Mitschüler beobachten. Und dann sollte man sich tatsächlich auch als Schüler an Schulsozialarbeiter oder Lehrer wenden. Was passiert im nächsten Schritt? Wo können Unterstützungsangebote noch die Familien stärken („Hilfe zur Selbsthilfe“), wo muss ein Kind aus seiner Familie genommen werden, das waren Fragen, die die Jugendlichen stark bewegten: Wer entscheidet, auf welcher Basis? „Wenn man z.B. vom Rumtoben lauter blaue Flecken hat – woher wissen die Ärzte dann, dass das nicht von den Eltern kommt?“ , fragte eine Schülerin – „Wenn jemand an den Schienbeinen blaue Flecken hat, dann hat jemand einen Garten oder ist sonst viel draußen – aber blaue Flecken am Bauch oder Rücken, die holt sich ein Kind auf normalem Weg selten! Das weiß auch jeder Arzt“, und: „Der erste Schritt ist immer das Gespräch!“ Die Schüler bekamen zudem einen ersten Einblick, wie die Betreuung von Kindern aussehen kann, die nicht mehr bei ihren Eltern bleiben können: „Der Staat sorgt für die „drei S“: satt, sicher, sauber. Wir versuchen mit Hilfe von Spenden mehr zu leisten, z.B. durch die enge Beziehung zu der SOS-Kinderdorfmutter oder z.B. dadurch, dass die Kinder sich um Tiere kümmern und so lernen, stabile Beziehungen aufzubauen.“

In Klasse 10, in der die Schüler ein einwöchiges Sozialpraktikum absolvieren, stellten die Referentinnen auch vor, über welche Berufsfelder eine soziale Organisation verfügt. Keineswegs werden hier nur als Erzieher, Sozialpädagoge oder Therapeut gebraucht, sondern z.B. auch Betriebswirtschaftler oder ITler. Gefragt nach dem einen zentralen Kriterium für ihre zukünftige Berufswahl, antworteten die meisten der Jugendlichen: „Freude“ und „Abwechslung“. Mit Blick auf diese innere Zufriedenheit, die den Schülern bei der Berufsentscheidung wichtig ist, ermunterten die beiden Referentinnen, selbst von der Ausbildung her Sprachwissenschaftlerin und Betriebswirtschaftlerin, bei der Suche nach der passenden Stelle auch auf den Inhalt der Arbeit zu schauen.

Prävention spielt am Caspar-Mohr Progymnasium, wie am Bildungszentrum insgesamt, eine bedeutsame Rolle. Sie ist, wie auch die berufliche Orientierung, eine der Leitperspektiven des Bildungsplans. In diesem Rahmen gewinnen die Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Fächern und auch zusammen mit der Schulsozialarbeit immer wieder im Laufe ihrer Schulzeit Einblick in verschiedene Bereiche von individuellen und gesellschaftlichen Problemen und den Lösungsmöglichkeiten und -wegen, die dem Einzelnen offen stehen.

Hier geht es zum Artikel in der Schwäbischen Zeitung vom 16.11.2018:

https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-biberach/bad-schussenried_artikel,-erkennen-in-welcher-situation-ein-kind-hilfe-braucht-_arid,10964965.html